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Altenbeuren im Wandel der Zeiten

Aus der Ur- und Vorgeschichte

Über die ersten Besiedlungen des Bodenseeraumes existieren keine Überlieferungen. In der Mittleren Steinzeit (8000 v. Chr.) gab es nur Siedlungen in Ufernähe des Überlinger Sees. Das Hinterland des Bodensees war von Wäldern bedeckt. In der Jüngeren Steinzeit (3000 – 1800 v. Chr.) und in der Bronzezeit (1800 - 800 v. Chr.) war das Bodenseegebiet stärker besiedelt. Zahlreiche Erdbauten und Ringwälle aus vorrömischer Zeit bezeugen eine zumindest teilweise Besiedlung des Linzgaus. Frühgeschichtliche Funde am Ufer des Überlinger Sees und im Linzgau bestätigen die Besiedlung dieser Landschaft vor der christlichen Zeitenwende. Hügelgräber fand man in Hödingen, Kippenhausen, Mimmenhausen, Roggenbeuren, Stetten und Untersiggingen. Betenbrunn geht auf eine vorgermanische Kultstätte, den Mythos der drei Beten, zurück. Bei Salem finde sich eine Gruppe von Grabhügeln der Hallstattzeit (Ältere Eisenzeit 900 - 400 v. Chr.). Beidseits der Straße von Salem nach Deggenhausen fand man im Hardtwald 19 Grabhügel mit einem Durchmesser von je 10 - 20 Metern. 1878 entdeckte man bei einer Graböffnung Bronzegegenstände, einen Dolch und ein Schwert aus Eisen, einen Kessel, zahlreiche Schmuckstücke und farbig verzierte Tongefäße.  

Die Römer in unserer Heimat

Im Jahre 15 v. Chr. eroberten die Römer unter Drusus und Tiberius die Region bis zur Donau. Gut zweieinhalb Jahrhunderte gehörte das Gebiet, auf dem auch Altenbeuren sich befindet, als Provinz „Rätien“ mit der Hauptstadt Augsburg zum Römischen Weltreich.

Außer einem dünnen Netz römischer Gutshöfe sind keine größeren Ansiedlungen aus dieser Zeit bekannt. Eine römische Heerstraße führte vermutlich von Stockach über Bambergen und Rickenbach nach Beuren.  In Rickenbach fand man römische Münzen aus der Zeit zwischen 276 - 383 n. Chr. Desweiteren vermutet man eine Verbindungsstraße vom oberen Linzgau über Straß, Hattenweiler und Altheim in den unteren Linzgau bis nach Überlingen.

Die Alemannen

Im Jahre 213 n. Chr. wurde zum ersten Mal der Volksstamm der Alemannen in Verbindung mit den gegen den römischen Limes anstürmenden Germanen genannt. Sie drangen im Jahre 258 n. Chr. in Richtung Oberrhein und Bodensee vor. Der Linzgau wurde in Folge zum Schauplatz zahlreicher wechselvoller Kämpfe zwischen Römern und Alemannen. Im Norden des Bodenseegebietes saßen fortan die Alemannen.

Ein besonders kampflustiger alemannischer Stamm waren die Lentienser. Sie ließen sich im heutigen Linzgau nieder (der Begriff Linzgau rührt wahrscheinlich von dem keltischen Flussnamen Lentia her, der heutigen Linzer Aach; die Lentienser waren also die Alemannen, die im Gebiet dieses Flüsschens siedelten).

Anders als die Römer bauten die Lentienser ihre Höfe mitten in die Felder und Weiden. Es war meist nur ein Familienverband unter seinem Oberhaupt und den dazugehörigen unfreien Knechten. Vielfach bildete aber auch ein kleines Heer mit seiner Gefolgschaft einen Siedlungsverband. Um den zentral gelegenen Herrenhof und die Hütten der abhängigen Leute lagen die Höfe der Gefolgsleute inmitten ihrer eigenen Fluren. Begriffe wie Allmende, Breite, Brüli, Espan stammen aus dieser Zeit. Sie finden sich in den meisten Alemannen-Dörfern.

Es bestand Flurzwang, d. h. die Bauernversammlung setzte gemeinsam mit dem Dorfherrn fest, wie "die dörfliche Flur" bestellt wurde (Dreifelder-Wirtschaft: Winterfrucht-Sommerfrucht-Brache). Der Dorfherr, Inhaber des Herrenhofs, war zur Ausübung des Flurzwanges berechtigt. Er übte die örtliche Gewalt aus, in seiner Hand lagen sowohl das „Zwing- und Bann-Gebot".

Im Bodenseegebiet lässt sich vor dem 6. Jahrhundert kein einziges Alemannengrab nachweisen. Es ist daher davon auszugehen, dass die Alemannen in der ersten Besiedlungsphase ihre Leichen verbrannten.

Die Besiedlung des Salemer Tales dürfte zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert erfolgt sein. In den breiten und fruchtbaren Flusstälern des unteren Linzgaus finden sich sehr alte allemannische Dörfer, deren Namen oft auf "-ingen" enden sowie weitere Orte mit früher urkundlicher Erwähnung (z. B. Billafingen 970, Frickingen 1094, Owingen 983, Rickenbach 1040, Weildorf 849 oder Überlingen 770). Die Alemannen gaben ihren Siedlungen jeweils den Namen ihres Familienverbandes. Aus ihnen entstanden während der Landnahmezeit im 4. - 6. Jahrhundert die germanischen auf "-ingen" endenden Ortsnamen.

Die auf "-ingen" endenden Orte liegen im Linzgau nicht dicht beieinander, vielmehr in relativ größeren Entfernungen zueinander, dazwischengestreut sind neue Ortsnamen der Ausbau- und Rodungszeit.

 

Orstnamen, Orte und ihre Entstehungszeit:

im 6. - 7. Jhdt. auf

  • - dorf (817 Markdorf, 849 Weildorf)
  • - hofen (1165 Mühlhofen, 1134 Wittenhofen)
  • - hausen (752 Ahausen, 1134 Deggenhausen, 1132 Mimmenhausen, 1169 Baitenhausen)

 

im 7. - 8. Jhdt. auf

  • - au (1152 Hagnau, 1094 Urnau)
  • - beuren (783 Altenbeuren, 1163 Beuren, 1179 Grasbeuren)
  • - reute (1158 Lippertsreute)
  • - stetten (1134 - 1138 Leustetten, 752 Stetten)
  • - wang(en) (1194 Herdwangen, 1094 Nesselwangen)

 

im 8. - 9. Jhdt. auf

  • - bach (972 Rickenbach)
  • - berg (994 Heiligenberg, 1191 Homberg)
  • - burg (988 Meersburg)

 

im 10. - 11 Jhdt. auf

  • - weiler (von lat. "villa", dann "villare"; 1134 Salmannsweiler, gleichbedeutend mit Salem)

 

im 11. - 13. Jhdt. auf

  • - heim (1242 Altheim)

Die erste urkundliche Erwähnung ist keineswegs mit der zeitlichen Entstehung der Siedlung identisch, vielmehr bestätigt sie lediglich die Existenz einer Siedlung zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Bereits im 6. Jahrhundert verloren die Alemannen ihre Selbständigkeit. 764 löste der Franke Pippin III (751 - 768) die alemannischen Herzogtümer auf und setzte Gaugrafen ein, die den König vertraten.

Nach St. Galler Urkunden nahm der Linzgau damals den Raum zwischen nördlichem Bodensee und Pfullendorf sowie Goldbach im Westen und Schussen im Osten ein. Die Gaugrenze im Westen, gegenüber dem Hegau, verlief von Goldbach über Hohlinden nach Aach-Linz. Der Gauname und Landschaftsbegriff „Linzgau“ (771 "in pago Linzgovia") lässt sich aus dem Flüsschen Lind, der heutigen Seefelder Aach, herleiten (siehe: Urkundenbuch St. Gallen 1,59).

 

Aus der Herrschaftsgeschichte

Geographisch betrachtet ist Altenbeuren ein Teil der Linzgaulandschaft. Um das Jahr 1000 stand Altenbeuren unter der Herrschaft der Grafen von Pfullendorf und gehörte zur alten Grafschaft Linzgau, später Heiligenberg (ab 1083).

1258 kamen die Grafen aus Werdenberg in den Besitz von Altenbeuren. Aus einem Lehensbrief des Königs Wenzel an den Grafen Albrecht von Werdenberg aus dem Jahre 1382 erfahren wir den damaligen Grenzverlauf (gekürzter Auszug): "Riedhausen, Berg, entland der Schussen, Petershausen, Dingelsdorf, Sernatingen , Nesselwangen, Aach-Linz, Pfullendorf, Ostrach, Riedhausen."

Die Grafschaft Heiligenberg ist ein Rest der Grafschaft Linzgau, dessen erster bekannter Graf Warin (754 - 771) war. 1135 erscheint zum ersten Mal ein Heinrich von Heiligenberg als Linzgaugraf. Er hatte seinen Sitz auf dem heutigen Altheiligenberg (das heutige Schloss Heiligenberg wurde erst 1276 erstmals genannt). Die verschuldeten Heiligenberger verkauften ihre Grafschaft 1277 an Graf Hugo von Werdenberg. Mit Graf Christoph starben die Werdenberger 1534 aus. Seine Tochter Anna vermählte sich mit Graf Friedrich von Fürstenberg. Die Herrschaft der Fürstenberger dauerte bis zum 10. September 1806. Unter Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg (Witwe des 1799 bei der Schlacht von Liptingen gefallenen Fürsten Carl Aloyas) gelangten die fürstenbergischen Lande, darunter die Grafschaft zu Heiligenberg, unter die Souveränität des Großherzogtums Baden.

Altenbeuren gehörte dann bis 1857 zum Bezirksamt Heiligenberg und zum Seekreis mit Sitz in Konstanz. Ab 1857 kam es zum Bezirksamt Überlingen. Aus den Bezirksämtern Pfullendorf und Überlingen ging 1939 der Landkreis Überlingen hervor. Die Kreisreform von 1971 veränderte wiederum das Gesicht des Landkreises. Der gesamte untere Linzgau ging im neugebildeten „Bodenseekreis“ auf.

Besitz und Besitzer in Altenbeuren im Jahre 1762:

  • Baur, Johannes
  • Beck, Antoni
  • Bruner, Johannes
  • Endres, Jakob
  • Erne, Johannes
  • Geiger, Johannes
  • Gemeind(e)
  • Gnädige Herrschaft zu Fürstenberg
  • Heilig zu Altenbeuren (Kirche)
  • Heiß, Christian
  • Hügle, Johannes
  • Kläsle, Matheus (Matthias)
  • Kloster Bächen
  • Knörle, Johannes
  • Kohllöffel, Franz Josef
  • Kretz, Hanz Jörg
  • Kretz, Josef
  • Löhle, Josef
  • Mazenmüller, Jakob
  • Nunenmacher, Johannes
  • Reichle, Fidelis
  • Rümmele, Johannes
  • Stift Betenbrunn
  • Vittib (Witwe) von Sonntag, Josef
  • Wagner, Adam
  • Walck, Paul
  • Zink, Johannes

Die Gemeinde besaß zu dieser Zeit in Altenbeuren:

  • Torkel und Reben: 2 Jauchert (Jau; ein Jauchert oder Juchert entspricht einem "Joch", der Fläche, die ein erfahrener Bauer oder Knecht an einem Tag mit einem Ochsengespann umpflügen kann), 1 Vie (Vierlinge, wahrscheinlich ein Viertel Feldmaß) und 116 Ru (Quadrat-Ruten, gemessen nach "Nürnberger Schuh")
  • Wiesen: 5 Jau, 1 Vie und 99 Ru
  • Ackerfeld: 0 Jau, 1 Vie und 4 Ru
  • Wiesengang: 6 Jau, 1 Vie und 114 Ru

 

Das Stift Betenbrunn besaß zu dieser Zeit in Altenbeuren:

  • Reben: 1 Jau, 3 Vie und 109 Ru
  • Wiesen: 0 Jau, 2 Vie und 40 Ru
  • Ackerfeld: 0 Jau, 3 Vie und 118 Ru

 

Die Gemeinde und das Stift besaßen also zusammen:

  • 17 Jau, 3 Vie und 133 Ru

 

Die Gesamtfläche aller Besitzungen in Altenbeuren betrug damals:

  • 392 Jau, 0 Vie und 110 Ru

 

In Johann Peter Hebels "Des Adjunkts Standrede über das neue Maß" von 1812 heißt es: "Item die Rute hat 10 Schuh. Der Schuh 10 Zoll. Der Zoll 10 Linien. 100 Ruten ins Gevierte machen ein Viertel Feldmaß. 400 Ruten ins Gevierte sind ein Morgen oder Juchert; denn der Juchert hat 4 Viertel."

Im Findbuch der Altgemeinde Beuren ist im Vorwort über Altenbeuren Folgendes zu lesen:

"Urkundlich wird Altenbeuren 783 mit einer Schenkung von Wichar an das Kloster St. Gallen genannt, 1163 Beuren mit der Übergabe eines Dieners an das Kloster Reichenau. 1189 wird ein Heinricus von Bürron erwähnt. Die Reichenauischen Dienstleute von Altenbeuren (Ortolf 1196) zuerst genannt, dürften im Ort ihre Burg erbaut haben. Seit 1431 tagte das Landgericht in Beuren, anfänglich bei Bedarf auf der öffentlichen Landstraße, seit 1500 vierzehntägig in einer Landgerichtsstube."

Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg ergänzt Folgendes:

"Altenbeuren ist ein kleines Dorf südlich von Beuren. Es wird 783 als Aldunpurias erstmals urkundlich erwähnt. Der Grundbesitz der Heiligenberger, der von Bodman und der von Ittendorf kam an das Kloster Salem. Die Ortsherrschaft blieb jedoch von etwa 1400 bis 1806 bei Heiligenberg. Altenbeuren ist ein typisches Straßendorf mit noch landwirtschaftlicher Grundstruktur. Am Ortseingang von Beuren her liegt zunächst das große, jedoch modernisierte Mühlengehöft, sodann rechte Hand die St. Antoniuskapelle, ein schlichter gotischer Bau. Im weiteren Straßenverlauf folgen eine Reihe von meist bereits veränderten, bäuerlichen Einhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts, zum Teil zu Hofanlagen erweitert."

Im Staiger „Salmannsweiler“ von 1862 ist über Altenbeuren Folgendes zu lesen:

"Altenbeuren, das Dörfchen, liegt in einem freundlichen Thale, 1529 Fuß über der Meeresfläche – südöstlich von Weildorf, wird von einem von Bächen kommenden Wasser durchflossen, hat 27 Häuser, 26 Bürger und circa 158 Einwohner und gehört zur Gemeinde Beuren und zur Standesherrschaft Fürstenberg-Heiligenberg.

Die Entfernung ist: von der Oel- und Sägemühle des Anton Spießmacher (Gemeinde Beuren) circa 8 Minuten; von Bäche, Beuren und Mennwangen je ¼ Stunde; von Haberstenweiler, Sinnenberg une Weildorf je ½ Stunde; von Lellwangen ¾ Stunde; von Untersiggingen 1 Stunde und von Wittenhofen 1 ½ Stunden. Der Ort hat gute Felder und Wiesen, hübsche Weinberge, schöne Obstgärten und ansehnliche Waldungen. Die Einwohner sind meist Landwirthe.

Das Wirthshaus der Baptist Stemmers Wittwe ist circa 300 Schritte vom Dorfe entfernt, am Fahrweg nach Weildorf und Untersiggingen; die Mahlmühle des Thomas Löhle am Ende des Dorfes gegen Beuren, und die Kapelle mitten im Dorf. Diese Kapelle ist 36" lang, 25" breit, 14" hoch, dem heiligen Einsiedler Antonius geweiht, hat nordlich 2 Rundbogen und südlich 2 Spitzbogenlichter, trägt einen sechskantigen mit Sturzblech beschlagenen Dachreiter, in dem sich zwei Glöckchen befinden, und hat einen Altar. Der Altar ist im Roccoco-Stihl und hat zum Altarbild Maria mit dem Jesuskindlein, wie sie über eine Anzahl Andächtige den Schutzmantel verbreitet, und zu den Seiten auf Postamenten rechts (Epistelseite) den heiligen Einsiedler Antonius mit der Bettlerglocke, links (Evangelienseite) den heiligen Papst Silvester (gest. 31. Dez 335), zu oberst die heilige Dreifaltigkeit von Engeln umgeben, und hinten ist die Empore ohne Orgel. – Hier werden allwöchentlich eine heilige Messe gelesen, wofür der Pfarrer je 48 kr.; an Antoni-Tag zwei heilige Messen wofür der Pfarrer 3 fl. und der Hilfspriester 1 fl. von der Gemeinde bezieht. Die Kinder besuchen zur Zeit noch die Schule zu Beuren.

Das Bächen, welches sich ob dem Ort mit dem Bäche-Bach verbindet, kommt vom sog. Binzwangen, wo der Scharfrichter wohnt; der Bäche-Bach dagegen von Sinnenberg her. Der Weg nach Altenbeuren führt von Weildorf her über eine Anhöhe durch den Wald Beizenhard; der Weg von Altenbeuren nach Beuren an der Mahlmühle des Thomas Löhle vorbei geradeaus, und der Weg nach Bäche an der Mahlmühle vorbei rechts. Der Boden ist wie bei Weildorf und Leustetten, hat dieselben Erzeugnisse, besonders viel Obst, und Weinberge sind die Sonnhalde gegen Bäche, sowie der Roesenberg und der Banzenbohl beim Dorf."

Altenbeuren nach 1806

Nach dem Jahr 1806 steht Altenbeuren nicht mehr unter der Herrschaft der Herren von Fürstenberg (Heiligenberg), sondern wird als Teilgemeinde der Gemeinde Beuren (ab 1.4.1924) geführt. Bis zu dieser Zeit waren wir eine eigene Ortsgemeinde mit eigener Jahresrechnung. Zu dieser Eingemeindung kam es, nachdem die Gemeinde Weildorf den mehrfach geäußerten Wunsch von Vertretern aus Altenbeuren auf Zusammenlegung am 13.12.1923 ablehnte. Die erforderlichen Vereinfachungen in den Gemeinden lassen sich nur durch eine Vereinigung der beiden Ortsgemeinden Beuren und Altenbeuren zu einer einfachen Gemeinde Beuren ermöglichen. Die nötige Abstimmung wird eine Tagfahrt auf den 22.12.1923 anberaumt.

„Die Vereinigung der Orte Beuren und Altenbeuren zu einer einfachen Gemeinde mit dem dem Namen Beuren wurde unter Aufhebung der gegenseitigen Gemarkungsgrenzen am 7.2.1924 aus dringenden Gründen des öffentlichen Interesses aufgrund des § 104, Abs. 2 der Gemeindeordnung mit Wirkung vom 1.4.1924 angeordnet. Die Anordnung ist rechtswirksam.“ So kann man es im Protokoll der Sitzung vom 22.12.1923 lesen.

Die Aufzeichnungen im Gemeindearchiv Salem sind in diesem Zeitraum aber recht dürftig. Die Quellen werden erst ab Beginn des 20. Jahrhundert und besonders ab den Jahren 1920 folgende deutlich besser. Im Oktober 1919 besaß Altenbeuren 146 Seelen (etwa genauso viele wie heute).

Altenbeuren besitzt in den folgenden Jahren eine eigene Ortsrechnung und einen eigenen Verwaltungsrat. Es kann sich in vielerlei Hinsicht selbst verwalten. Es bekommt einen eigenen Stabhalter, der die polizeilichen Hoheitsrechte wahrnimmt. Es ist nicht möglich, alle wichtigen Ereignisse aus dieser Zeit aufzugreifen. Daher sollen nur ein paar wenige stellvertretend vorgestellt werden.

 

Der Ortsrechnung von 1920/1921 lassen sich folgende Hauseigentümer und Berufe (oder Familienstände) entnehmen:

  • Auer, Benedikt, Landwirt
  • Bauer, Leonhard, Wirt
  • Graenzer, Hermann, Privatier
  • Hegner, Vinzenz, Taglöhner
  • Heigle, Anselm, Landwirt
  • Holzer, Max, Wagnermeister
  • Jäckle, Johann, Landwirt
  • Kaier, Josef, Schmiedemeister
  • Keller, Josef, Schreinermeister
  • Kessler, Alois, Landwirt
  • Kretz, Karl, Schuhmacher
  • Löhle, Thomas, Landwirt
  • Lohr, Anselm, Landwirt
  • Moog, Karl, Taglöhner
  • ..., Johann, Landwirt
  • Rebholz, Vinzenz, Küfer
  • Rogg, Karl, Witwer
  • Schluck, Karl, Landwirt
  • Tessaro, August, Straßenwarth
  • Thum, Paul, Landwirt
  • Ulsamer, Max, Ortsrechner
  • Vogler, Friedrich, Witwer
  • Wagner, Johann, Landwirt
  • Walk, Josef, Landwirt
  • Zinsmeister, Gottfried, Landwirt

 

November 1920: Es wird ein Plan zur Herstellung einer oberirdischen Fernsprechlinie nach Altenbeuren aufgestellt. Diese Fernsprecheinrichtung soll im Haus von Friedrich Gauch installiert werden. Im Jahr 1920/1921 waren Thomas Löhle, Josef Keller und Max Ulsamer Mitglieder des Verwaltungsrates.

Die Elektrifizierung in Altenbeuren beschränkte sich lange auf einige Häuser. Bevor das Badenwerk dann die Stromversorgung im ganzen Großherzogtum und damit auch in Altenbeuren übernahm, wurde Altenbeuren mit Strom aus der Mennwanger Sägerei Schechter versorgt. Dort wurde über Turbinen, die auch heute noch vorhanden sind, Strom aus Wasserkraft produziert. Am 10.11.1957 wurde dieser Stromliefervertrag gekündigt und ab dem 15.4.1959 wurde die elektrische Energie vom Badenwerk bezogen. Am 10.4.1958 wurde die Restelektrifizierung beschlossen. Hier wurden die Häuser von Leo Kessler, Anton Heigle, Bernhard Rogg, Alfons Kaier, Franz Zinsmeister, Josef Hafen, Ernst Holzer, Karl Kirschbaum, Josef Keller und Maria Kessler an das Stromnetz angeschlossen.

 

Ab November 1922 litten die Altenbeurener in Folge der Weltwirtschaftskrise unter massiven Preiserhöhungen für Strom und Heizmaterial:

 

November 1922:

  • Zählertarif Licht: 350 Mark
  • 1 Tonne Steinkohle: 41.261 Mark
  • 1 Liter Petroleum: 400 Mark

 

Februar 1923:

  • Zählertarif Licht: 1.600 Mark
  • 1 kg Steinkohle: 200 Mark
  • 1 Tonne Steinkohle: 200.000 Mark
  • 1 Liter Petroleum: 1.800 Mark

 

Juni 1923:

  • Zählertarif Licht: 4320 Mark

 

Bereits einige Jahre zuvor am 5. August 1952 wurde im Adlersaal in Beuren eine Bürgerversammlung zum Thema Wasserleitung abgehalten. Aus dem Protokoll der Sitzung:

„Nach eingehender Erläuterung durch Bürgermeister Morgen und Reg. Oberinspektor Kramer vom Wasserwirtschaftsamt in Konstanz, welcher zu derselben [Bürgerversammlung] eingeladen wurde und die in diesselben die näheren Probleme erläuterten, fand auf Wunsch der Bürger eine geheime Abstimmung statt, bei welcher alle anwesenden, insgesamt 88 Personen zur Abstimmung kamen. Den Bürgern wurde folgende Frage unterstellt: Wünschen Sie eine Gesamtwasserleitung für Beuren und Altenbeuren? Die Abstimmung ergab folgendes Resultat: Von den 88 abzustimmenden haben 87 mit Ja und nur 1 Stimme mit Nein dem Wasserleitungsbau zugestimmt. Aus dieser Abstimmung wurde eindeutig ersehen, dass die Wasserleitung nun endgültig gebaut werden soll und zwar soll bereits im Spätherbst dieses Jahres noch mit der Quellfassung begonnen werden."

 

Am 5.2.1954 wurde beschlossen, dass die Häuser Lohr, Berenbold, Löhle, Heigle, Thum, Rogg, Wagner und Hügle einen Wasseranschluss erhalten.

 

Die Schulkinder aus Altenbeuren gingen zu dieser Zeit noch zu Fuß nach Beuren in die Schule. Später kamen die Schulkinder aus Beuren und Altenbeuren nach Mimmenhausen in die Grundschule und ans Bildungszentrum auf die Hauptschule oder Realschule. Die nächsten Gymnasien waren und sind Markdorf und Überlingen.

 

Im Jahr 1975 schloss sich die damals selbständige Gemeinde Beuren im Zuge der Gemeindereform der Gemeinde Salem an. Seit diesem Zeitpunkt ist Altenbeuren kein eigenständiger Ortsteil mehr. Es wird als Weiler geführt. Seit der Gemeindefusion 1975 hat sich in Altenbeuren einiges getan. Das alte Ortsbild hat sich stark verändert. Die Molke sowie das Raiffeisenlager wurden geschlossen, der Dorfbach wurde verdolt und im Zuge dessen wurde die Straße verlegt. Erst im Jahr 2000 wurde Altenbeuren an die Kanalisation angeschlossen.

 

In den Jahren 2005 und 2006 wurde die ehemalige Molke und spätere Raiffeisenniederlassung komplett saniert und als Dorfgemeinschaftshaus hergerichtet. Hier blieben alle wichtigen Aufgaben wie Planung (Daniel Keller) und Bauleitung (Alfons Kaier, Gebhard Keller) in Altenbeuren. Durch viele Spenden und insgesamt über 2.500 Arbeitsstunden konnte dieser Raum, so wie er heute ist, entstehen.

 

In den letzten Jahren ist auch zunehmend festzustellen, dass die Höfe, die in Nebenerwerb betrieben werden, nach und nach verschwinden. So sind es mit Milchviehhaltung derzeit nur noch zwei Höfe, mit Tierhaltung allgemein immerhin noch sieben Häuser. Seit der Gemeindefusion sind einige Häuser neu gebaut und einige weitere umgebaut worden. In Altenbeuren sind in den letzten Jahren immer wieder neue Familien zugezogen.

 

Kirchliche Zugehörigkeit

Kirchlich gehört Altenbeuren nach wie vor als Filialgemeinde zu Weildorf. Am 30 Juli 1933 wurde vom Gemeinderat in Beuren ein Antrag zur "Umpfarrung Altenbeurens von Weildorf nach Beuren" gestellt. Dieser Antrag wurde vom Stiftungsrat Beuren am 24.9.1933 unterstützt. Es kam dann allerdings nicht zu dieser Umpfarrung, da der damalige Pfarrer von Beuren Bedenken hegte:

 

„Zur Umpfarrung von Altenbeuren von Weildorf nach Beuren hat der Unterzeichnende Folgendes zu bemerken:

  • 1. Er hat die Pfarrei Beuren ohne Altenbeuren übernommen.
  • 2. Er zählt jetzt 65 Jahre und will in diesem Alter keine neue Bürde mehr übernehmen (…)
  • 3. (…) Große Stimmung für den kirchlichen Anschluss an Beuren herrscht in Altenbeuren nicht.
  • 4. (…)
  • 5. Auch ist für den bedeutenden Zuwachs der Pfarrei Beuren durch Altenbeuren in der Kirche schwierig einen rechten Platz zu schaffen.
  • 6. Unter Bezugnahme auf die 5 genannten, beachtenswerten Punkte ist der Unterzeichnete der Ansicht, man solle die Sache lassen, wie sie ist, bis in die Seelsorge in Beuren ein Wechsel eintritt. Gez. R. Kienzler, Pfr.“

 

In den 1960er Jahren wurde dieser Antrag noch einmal aufgegriffen, allerdings kam er dieses Mal nicht mehr vor die politische Gemeinde, sondern wurde schon in der Kirchengemeinde abgeblockt. Somit gehört Altenbeuren nach wie vor kirchlich nach Weildorf und politisch zum Teilort Beuren.